Samstag, 11. August 2012

Filme aus Korea

Samaria von Kim Ki-duk
Während der Begriff 韓流 한류 Hallyu 'Koreanische Welle' heute fast unmittelbar mit K-Pop und K-Dramen in Verbindung gebracht wird, verwendeten deutsche Medien den Begriff für den internationalen Erfolg südkoreanischer Filme. Als Südkorea Ende der 1980er zu einem demokratischen Staat wurde, wurden auch die Zensurgesetze gelockert. Am Anfang der Welle standen die Filme Marriage Story (1992), The Quiet Family (1998) und Shiri (1999). Letztgenannter Film behandelt die Teilung Koreas und erreichte in Südkorea 6,2 Millionen Zuschauer. Ein Jahr später kam Joint Security Area von Park Chan-wook in die Kinos, der ebenfalls den Konflikt der beiden koreanischen Staaten behandelt. In dem Film entwickelt sich eine Freundschaft in der demilitarisierten Zone zwischen den nord- und südkoreanischen Soldaten. Mit 5,8 Millionen Zuschauern kam der Film Shiri sehr nahe. Auch die romantische Komödie My Sassy Girl (2001) mit Cha Taehyun und Jun Jihyun erhielt international viel Aufmerksamkeit und erfuhr 2008 ein amerikanisches Remake. Weitere Erfolge verzeichnete der Arthouse-Regisseur Kim Ki-duk, der durch seine Filme Seom (2000), Bad Guy (2001) sowie Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling (2003) ein gern gesehener Gast auf internationalen Filmfestivals ist. Kim Ki-duk ist im Ausland populärer als in Korea und erhielt 2004 für Samaria den Silbernen Bären auf der Berlinale und für Bin-jip den Silbernen Löwen in Venedig.
Oldboy
Zur gleichen Zeit sorgte Park Chan-wook mit seiner Vengeance-Trilogie für aufsehen, vor allem durch die in den Filmen dargestellte Brutalität. Der zweite Film der dreiteiligen Serie, Oldboy, wurde 2004 in Cannes mit dem Grand Prix der Jury ausgezeichnet und gilt im Westen unter Filmliebhabern als Geheimtipp. 2006 erschien schließlich der Genremix The Host von Bong Joon-ho, der in Südkorea mit über 13 Millionen Zuschauern bei gerademal 49 Millionen Einwohnern gleich mal einen neuen Besucherrekord aufstellte. Von Komödie über Familiendrama, Horror und Sci-Fi bis Action deckt der starbesetzte Film nahezu alles ab. Dadurch, dass Chemieabfälle in den Han-Fluss geschüttet werden, entwickelt sich dort ein mutiertes Monster. Im Mittelpunkt steht dabei die Familie Park, deren jüngstes Mitglied von dem Monster geschnappt wird. Die Familie versucht daraufhin ihre Tochter wiederzufinden. Allerdings wird die Gegend um den Han-Fluss abgesperrt und alle, die dem Monster zu nahe kamen, wurden in einem Krankenhaus aufgrund eines "Virus" weggesperrt. Es werden dabei viele Themen angestimmt; u.a. wird auch auf die Jugendproteste der 386-Generation angespielt, die für die Demokratisierung Südkoreas beitrug. Sascha Westphal von der Welt schrieb: "Alles hat in 'The Host' seine Zeit und seinen Moment, und wenn man das erst einmal akzeptiert hat, dann entwickelt er ein geradezu revolutionäres Potenzial." Auch Bongs nächster Film, Mother (2009), war sehr erfolgreich und markiert für Fritz Göttler von der Süddeutschen das Ende einer Dekade, "die dem koreanischen Kino jede Menge Aufregung und Enthusiasmus gebracht hat." Aber die koreanischen Regisseure werden sicherlich auch in Zukunft faszinierende und fesselnde Filme produzieren.
Filmplakat zu The Host

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Soundtrack zu 200 Pounds Beauty. Originallied: Maria von Blondie.

Die erfolgreichsten koreanischen Filme
Rang Deutscher Titel Originaltitel Regisseur Zuschauer Jahr
1 The Host 괴물 Bong Joon-ho 13.019.740 2006
2 The King and the Clown 왕의남자 Lee Jun-ik 12.302.831 2005
3 Brotherhood – Wenn Brüder aufeinander schießen müssen 태극기 휘날리며 Kang Je-gyu 11.746.135 2004
4 Tsunami – Die Todeswelle 해운대 Yoon Je-kyun 11.397.749 2009
5 Silmido 실미도 Kang Woo-suk 11.081.000 2003
6 Dragon Wars 디워 Shim Hyung-rae 8.426.973 2007
7 Speedy Scandal 과속 스캔들 Kang Hyeong-cheol 8.280.308 2008
8 Friend 친구 Kwak Kyung-taek 8.134.500 2001
9 Take Off 국가 대표 Kim Yong-hwa 8.092.676 2009
10 Welcome to Dongmakgol 웰컴 투 동막골 Park Kwang-hyun 8.008.622 2005

Die Liste weicht ganz schön stark ab von meinen koreanischen Lieblingsfilmen

Die koreanische Regisseurin Cho Sung-hyung hat mit Endstation der Sehnsüchte einen Film über das deutsche Dorf (독일마을) in Korea gedreht. Auch die deutsche Regisseurin Ulrike Ottinger hat sich schon nach Korea begeben und dort ihren Film Die koreanische Hochzeitstruhe gedreht. Das größte Filmfestival Koreas ist das Busan International Film Festival, das jedes Jahr im Oktober stattfindet. Zwei weitere große Festspiele sind das Puchon International Fantastic Film Festival (PIFan) und das Jeonju International Film Festival. Die wichtigsten Preise ähnlich den Oscars und den Golden Globes sind die Blue Dragon Awards, die Grand Bell Awards, die Paeksang Awards und die Korean Film Awards.

Ältere südkoreanische Filme kann man sich auf dem Youtube-Kanal des Korean Film Archive anschauen. Die Abteilung für Film, Fernsehen und Multimedia der Kunst-Fakultät der Sungkyunkwan University bietet über ihren Vimeo-Kanal auch eigene Kurzfilme an.


신혼부부 von 김수연 (SKKU FTM) auf Vimeo.