Mittwoch, 27. April 2016

Die Situation nordkoreanischer Aussiedler in Südkorea

Many North Korean resettlers face obstacles after their arrival in South Korea. However, the overall situation has improved by allocating resources more efficiently. Some North Koreans like Joseph Park even start own businesses to promote a positive coexistence of North and South Koreans.

Nach Angaben des südkoreanischen Ministeriums für Wiedervereinigung kamen bis Dezember 2015 28.795 Nordkoreaner nach Südkorea.* Die Integration dieser gestaltet sich jedoch teilweise schwierig. So sind nordkoreanische Aussiedler physisch nicht so gesund wie Südkoreaner, zudem leiden viele an posttraumatischen Belastungsstörungen oder unter Vorurteilen und Diskriminierung. Das hat eine hohe Schulabbruchrate und hohe Jugendarbeitslosigkeit zur Folge.

Doch vieles hat sich gerade in den vergangenen Jahren gebessert. Waren 2011 noch 12,1 % der nordkoreanischen Aussiedler in Südkorea arbeitssuchend gemeldet, waren es 2015 nur noch 4,8 %. Vieles hängt wohl auch mit der Förderung des Staates zusammen, die stets gezielter eingesetzt wird. So erhalten Unternehmen, die nordkoreanische Aussiedler beschäftigen, bspw. Unterstützung bei der Zahlung des Gehalts.

Darüber hinaus gibt es diverse Gruppen, die sich dafür einsetzen,  Nordkoreanern den Einstieg in Südkorea zu erleichtern. So wurde die Smartphone-App Univoca (글동무) programmiert, mit der man südkoreanische Texte fotografieren kann und diese schließlich ins Nordkoreanische „übersetzt“ werden. Vor allem die Kommunikation stellt für viele Aussiedler aus Nordkorea anfangs ein Problem dar. Während das Südkoreanische durchsetzt ist von Anglizismen, sind diese dem Nordkoreanischen Fremd.

Vielen Nordkoreanern gelingt die Anpassung an das ungewohnte, südkoreanische Umfeld zunehmend besser. So gründete der Aussiedler Joseph Park, der 1999 Nordkorea verließ und 2004 nach Südkorea kam, 2014 den Coffeeshop Yovel, benannt nach dem hebräischen Wort für „Jubeljahr“. Er kümmert sich dabei aktuell um zwei Filialen innerhalb der Industrial Bank of Korea mit vier „nordkoreanischen“ und zwei „südkoreanischen“ Angestellten.

Auch wenn Park, der in Seoul Tiermedizin studierte, der Auffassung ist, dass eine Wiedervereinigung noch weit entfernt sei und keinesfalls bald geschehen werde, möchte er durch sein Geschäft die Menschen auf eine Wiedervereinigung vorbereiten und Nordkoreanern mehr Verantwortung in der Gesellschaft geben. Nach einer Wiedervereinigung möchte er schnell nach Nordkorea expandieren und seine Fähigkeiten beim Aufbau des Landes nutzen.

Jedoch kam er zu dem Schluss, dass ein Coffeeshop dafür nicht geeignet sei. Deshalb plant er aktuell sein nächstes Projekt im Bereich organischer Produkte, wie bspw. Bio-Bauernhöfe für Hühnerfleisch. Dadurch sollen sich nordkoreanische Aussiedler gleichzeitig Verantwortung und Know-how auf diesem Gebiet aneignen und eine Wiedervereinigung erfolgreich gestalten. Denn gerade Aussiedler müssten dabei sehr bemüht sein.

Grundkenntnisse in Sachen Südkorea und Kapitalismus erhalten die Aussiedler bereits kurz nach ihrer Ankunft. Die Regierung sieht vor, dass Aussiedler zunächst das Resettlement-Programm durchlaufen. Dem Gesetz nach sind nordkoreanische Flüchtlinge südkoreanische Staatsbürger. Demnach erhalten sie kurz nach ihrer Ankunft in Südkorea auch südkoreanische Dokumente. Die Flüchtlinge werden nach ihrer Ankunft zunächst vom südkoreanischen Geheimdienst überprüft, vor allem dahingehend, ob sie eine Gefahr darstellen und ob sie tatsächlich aus Nordkorea stammen. Dies kann bis zu 6 Monaten dauern. Nach diesem Prozess werden die Flüchtlinge in eine Einrichtung namens Hanawon gebracht. Dort werden sie über 12 Wochen unterrichtet, u.a. in koreanischer Geschichte, Demokratie, Marktwirtschaft und erhalten dabei psychologische Betreuung. Nachdem sie Hanawon verlassen erhalten sie eine einmalige Eingliederungszahlung und Wohnungszuschuss als auch einen Ansprechpartner, die sie für zwei Jahre unterstützt. Es gibt keine zentralisierte Anlaufstelle, die alle Eingliederungsprogramme steuert. Stattdessen sind die Hilfsmaßnahmen auf einzelne Ministerien und Regierungsorganisationen verteilt. Für fünf Jahre nach ihrer Ankunft erhalten nordkoreanische Aussiedler besondere Leistungen des Staates. Danach werden sie genauso behandelt wie alle anderen südkoreanischen Staatsangehörigen.

An Hanawon gibt es aber auch von diversen Seiten Kritik, da sich die Aussiedler dort nicht in der koreanischen Gesellschaft befinden, sondern abgeschottet seien und fast alles theoretisch lernen. Laut Park fehle es vielen Aussiedlern auch an Verständnis für Politik. Dies treffe seines Erachtens aber auch auf die meisten Südkoreaner zu.

Kriterum/Jahr**
bis 2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015 (vorl.)
Gesamt
Männlich
3.006
424
515
573
608
662
591
795
404
369
305
251
8.503
Weiblich
3.309
960
1.513
1.981
2.195
2.252
1.811
1.911
1.098
1.145
1.092
1.025
20.292
Gesamt
6.315
1.384
2.028
2.554
2.803
2.914
2.402
2.706
1.502
1.514
1.397
1.276
28.795
Frauenanteil
52 %
69 %
75 %
78 %
78 %
77 %
75 %
70 %
72 %
76 %
78 %
80 %
70 %




* Dies ist eine Gesamtanzahl, aller nordkoreanischen Flüchtlinge, die nach Südkorea kamen. Darin enthalten sind auch möglicherweise bereits verstorbene Menschen oder welche, die nach Nordkorea zurückgekehrt sind. Da allerdings die meisten innerhalb der letzten 20 Jahre nach Südkorea kamen, kann man davon ausgehen, dass die Zahl im groben auch den tats. Stand der nordkoreanischen Flüchtlinge in Südkorea ausdrückt.
** 북한이탈주민 입국인원 현황. Ministry of Unification, abgerufen am 21. März 2015.